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Schlummernde Potenziale

Datenqualität rückt immer mehr in den Fokus

Was bringt mehr Datenqualität im Logistikalltag? Nachgefragt bei Robin Köhler, Department Head Quality & Process Integration bei DACHSER.

Herr Köhler, mit zunehmender Digitalisierung und Automatisierung der Prozesse rückt das Thema Datenqualität immer mehr in den Fokus der Planer. Was ist damit im Logistikalltag zu erreichen?

Dass ein funktionierender Datenaustausch für die Warenströme essenziell ist, gehört heute zum kleinen Einmaleins der Logistik. Allerdings wurde die Datenqualität im Alltag oft stiefmütterlich behandelt. Erfahrung und Routinen in der Disposition und bei den Fahrern haben dabei manche Unschärfe bei den Daten – etwa beim tatsächlichen Stellplatzbedarf oder Anlieferadressen und deren Anlieferzeiten – kompensieren können. Das wird aber bei immer komplexeren Prozessen und höchsten Anforderungen an die Transporteffizienz künftig nicht mehr möglich sein. Der Planungs-Algorithmus nimmt alle zur Verfügung gestellten Daten für bare Münze und trifft daraus logische Entscheidungen. Improvisieren ist da keine vernünftige Option mehr.

Denken Sie zum Beispiel an den Gefahrgutbereich. Hier müssen wir schon sehr lange sehr genau wissen, mit welchen Stoffen wir es zu tun haben, welche Güter beim Transport zusammenpassen, und welche eben nicht. Die entsprechenden Verordnungen und Gesetze, die Sicherheit und die knappe Ressource Laderaum stecken hierbei einen engen Rahmen und haben schon vor vielen Jahren ein gemeinsames Bewusstsein für die Bedeutung korrekter Daten bei allen an der Pflichtenkette Beteiligten geschaffen.

Wir benötigen eindeutige Daten, welche keinen Raum für Interpretationen lassen, damit wir sinnvoll und verantwortungsbewusst planen können. 

Wie gehen Sie dabei vor?

Es geht zunächst darum, die richtigen Fragen zu stellen. Das fängt schon bei den Stammdaten an. Was wissen wir über den Kunden und seine Struktur? Zum Beispiel Anliefer- und Abholzeiten oder Zufahrtsrestriktionen. Und weiß der Kunde eigentlich, was genau er wohin verschickt, und was sich dabei mit den Adressdaten verbindet?

Gerade internationale Adressen bergen ein hohes Fehlerpotential, da sich Schreibweisen innerhalb Europas teilweise erheblich unterscheiden von Land zu Land. In erster Linie sind wir auf integre Daten aus den Vorsystemen unserer Kunden angewiesen, welche wir weitestgehend via EDI oder eLogistics erhalten.

Wir aggregieren alle relevanten Stammdaten in einem einmaligen Datensatz, auf welche unsere Applikationen zentral zugreifen. Kombiniert durch kontinuierliche und zunehmend automatisierte Maßnahmen zur Validierung der vorhandenen Daten erreichen wir eine sukzessive Steigerung der Datenqualität unserer Stammdaten.

Bewegungsdaten können vielfach gegen unsere Stammdaten geprüft und etwaige Inkonsistenzen dadurch geheilt werden. Hierdurch ergibt sich am Ende ein eindeutig interpretierbarer Datensatz.

Wo sehen Sie auf Dauer die Vorteile von frühzeitigen, vollständigen und korrekten Plandaten?

Je vorzeitiger wir Sendungsdaten erhalten und je besser die Datenqualität, desto mehr profitieren Verlader und Logistikdienstleister von sicheren Kapazitäten und Flexibilität. Wir erhöhen damit zugleich ihre Reaktionsfähigkeit auf herausfordernde Marktsituationen.

Volatilitäten und die damit verbundenen Risiken können unmöglich alleine durch den Logistikdienstleister kompensiert werden. Avis-Sendungsdaten am Vortag vom Verlader zu erhalten, ist die logische Konsequenz und wird sich zukünftig mehr und mehr zum Standard entwickeln.

Vollständige und korrekte Daten führen zu einer weitestgehend automatischen Disposition und Tourenplanung der Lkw auf hohem Niveau und zu einer Entlastung der Rampe, wenn wir dort immer das richtige Fahrzeug zur richtigen Zeit positionieren. Nicht zuletzt führt das optimale Ausnutzen des Laderaums zur Vermeidung von unnötigen Transporten. Das ist immer noch der größte Hebel der Logistik, um CO2 einzusparen. 

Vielen Dank für das Gespräch!

Interview with: Robin Köhler

Robin Köhler ist Department Head Quality & Process Integration bei DACHSER

Ansprechpartner Christian Weber Corporate Public Relations