Die NS-Zeit bedeutete mit der Wirtschaftsbelebung infolge von Vierjahresplan und staatlicher Konjunkturpolitik auch für Dachser einen Aufschwung des speditionellen Geschäfts. Die Firma profitierte von dem seit 1932/33 einsetzenden enormen Wachstum des Güterverkehrsmarktes; aus dem Ein-Mann-Unternehmen wurde ein kleines Unternehmen, in dem auch Anna Dachser nach der Heirat 1935 eine aktive Leitungsrolle übernahm und das 1936 acht Angestellte und zehn Arbeiter beschäftigte. 1934 war in Memmingen eine erste Niederlassung gegründet worden, 1937 sollte in Düsseldorf/Neuss die zweite Zweigstelle folgen. Dachser konnte sich damit in der Allgäuer Speditionsbranche neben anderen Spediteuren etablieren. Wie viele Unternehmer passte sich auch Thomas Dachser opportunistisch und unpolitisch an das NS-Regime an. Im Mai 1933 trat er der NSDAP als Mitglied bei.
Mit Kriegsbeginn brach jedoch das auf den Lebensmitteltransport ins Ruhrgebiet ausgerichtete Speditionsgeschäft und die damit verbundenen lukrativen Fernverkehrseinnahmen ein. Zwischen 1939 und 1942 halbierte sich der Umsatz. Dazu kamen Zwangsverkäufe aus dem Fuhrparkbestand an die Wehrmacht und ein Schrumpfen des zeitweise auf über 70 Beschäftigte angewachsenen Beschäftigtenstandes durch Kriegsdienst auf nur noch ca. die Hälfte. Auch bei Dachser kamen zeitweise Zwangsarbeiter zum Einsatz, 2 bis 3 Niederländer und Franzosen, die im Lagerumschlag beschäftigt wurden. Später wurden 1942/43 in Kempten einige russische Kriegsgefangene eingesetzt. Spätestens 1944, als nach Bombenangriffen zunächst die Niederlassung in Neuss, dann auch der Hauptsitz in Kempten weitgehend zerstört wurden, erfolgte ein weiterer Einbruch; dennoch gelang es Thomas Dachser, das infolge der vielen Unternehmensverlagerungen ins Allgäu sowie zur Aufrechterhaltung der Lebensmittelversorgung und Ernährungslage weiter wichtige Speditions- und Lagereigeschäft am Leben zu erhalten und mit den nun dominierenden Nahverkehrseinnahmen das Unternehmen in der Gewinnzone zu halten.
Während der staatlichen Zwangsbewirtschaftung von LKW-Laderaum in den Kriegsjahren wurde Thomas Dachser als Leiter der Allgäuer Fahrbereitschaft bestellt. Dies wurde ihm nach Kriegsende vorgeworfen. Ihm wurde zunächst durch die Besatzungsbehörde die Führung eines Betriebes untersagt und seine Firma zwischen 1946 und 1948 einem Treuhänder unterstellt. Im abschließenden Spruchkammerverfahren wurde er im Mai 1948 als Mitläufer eingestuft. Im Zuge dessen wurde ihm eine geringfügige Geldbuße auferlegt und zugleich die Treuhänderschaft aufgehoben sowie als Unternehmer rehabilitiert.
Damit und mit dem Rückenwind der Währungsreform führte Thomas Dachser sein Unternehmen in die Wiederaufbaujahre.
(Zu weiteren Informationen zu Dachser in der NS-Zeit und den unmittelbaren Nachkriegsjahren siehe die bereits 2008 erschienene Studie von Paul Erker "Das Logistikunternehmen Dachser" S.21 - 30.)
1952 erfolgt mit dem Beginn der Auslandsverkehre eine erste Umfirmierung in „Thomas Dachser, Internationale Spedition“. Zu dieser Zeit setzen in Deutschland feste, staatlich vorgegebene Tarife und limitierte Fernverkehrskonzessionen die Leitplanken der Verkehrspolitik. DACHSER vollzieht in den 1960er und 70er Jahren einen umfassenden Modernisierungsprozess, sowohl im Bereich der Professionalisierung der Geschäftsführung unter wesentlicher Mitwirkung von Christa Rohde-Dachser, als auch durch entscheidende Impulse von Thomas Simon in Innovationen im Fahrzeugbereich und Systematisierungen der Auslandsgeschäfte. Auch Annemarie Simon ist mit der Repräsentanz der Unternehmerfamilie intern und in der Öffentlichkeit präsent. Die Gesellschafterfamilie prägt somit die Identität und die besondere Kultur des Familienunternehmens, wobei sie gleichzeitig professionelle Strukturen fördert, die auch stark durch familienexterne Persönlichkeiten geprägt werden.
Die Grundlagen für die später eingeführte moderne Governance wurden in dieser Zeit gelegt. Und mehr denn je bestimmen starke Niederlassungsleiter als unternehmerisch agierende Persönlichkeiten die Unternehmenspolitik. Die Führung des Unternehmens lastete auf vielen Schultern. Damit ist auch nach dem Tod von Thomas Dachser 1979 die Kontinuität des familiengeführten Unternehmens gewährleistet, das mit einer Reihe von technischen wie logistischen Innovationen seinen Wachstumspfad erfolgreich fortführt. Das Problem des Vakuums, das der Gründerpatriarch in vielen Unternehmen der Nachkriegszeit nach seinem Ausscheiden hinterließ, gab es bei Dachser somit nicht.
Prägende Etappen der DACHSER Geschichte (1930–1982)
- 1930: Gründung eines Fuhrunternehmens durch Thomas Dachser in Kempten.
- 1948 bis 1950er Jahre: Wiederaufbau der im Krieg weitgehend zerstörten Niederlassungen sowie Gründung neuer Niederlassungen in Süd- und Westdeutschland (u.a. Wangen, Frankfurt, Lindau, Hamburg, Köln, München und Neu-Ulm). Der Kern des späteren DACHSER-Netzwerks entsteht. Ausbau als Sammelgutspedition und Werbung für die DACHSER-„Stückgutlinien“ als „Markenartikel des Verkehrs“.
- DACHSER firmiert als „Internationale Spedition“ und betreibt neben einer „Auslandsabteilung“ in Kempten seit 1951 als erster Spediteur ein Luftfrachtbüro am Münchner Flughafen. In der Niederlassung Kaufbeuren werden als IATA-Agent ausschließlich Export- und Import-Geschäfte betrieben.
- 1955: Zum 25jährigen Gründungsjubiläum, beträgt der Umsatz 33,085 Mio. DM mit inzwischen 720 Beschäftigten.
- 1959: Einstieg in den Möbel- und Umzugstransport. Zusammen mit Georg Kolb gründete Dachser die DACHSER & Kolb Möbelspedition.
- 1967/68: Innovation von Dienstleistungsprodukten wie den „Garantieverkehr“ für Stückgut-Sendungen im Kampf gegen den Hauptkonkurrenten Bundesbahn. Innovationen auch in den speditionellen Arbeitsabläufen durch Einsatz moderner Unterflurförderer und Teleskopförderbänder sowie Hebebühnen und Gabelstapler, d.h. weitestgehende Mechanisierung der bis dahin noch überwiegend in reiner Handarbeit betriebenen Be- und Entladevorgänge.
- Ende der 1960er Jahre besteht das DACHSER-Filialnetz aus 30 über ganz Deutschland verteilte Niederlassungen. Zudem bestehen bereits eine Reihe von Auslandsgesellschaften in Dänemark und in der Schweiz.
- 1970: Zum 40jähringen Gründungsjubiläum befindet sich DACHSER vielfach im Umbruch. Umrüstung des gesamten Fuhrparks auf Wechselbrücken und damit Etablierung als Innovationsführer im Sammelgutspeditionsbereich. Umsatz 177, 05 Mio. DM mit 1783 Beschäftigten.
- 1974: Forcierung der Gründung von Auslandsgesellschaften, bereits 1970 in New York (USA), 1972 in Luxemburg und 1974/75 in Großbritannien, den Niederlanden und Belgien.
- April 1976: Thomas Dachser zieht sich mit 70 Jahren aus der aktiven Geschäftsführung zurück und überträgt den Großteil der Unternehmensleitung auf seinen Stellvertreter Ulrich Weiß, der in einer Doppelfunktion als Niederlassungsleiter von Wangen und als Generalbevollmächtigter für DACHSER agiert.
- 1979: Thomas Dachser stirbt.
- 1980: 50jähriges Gründungsjubiläum von DACHSER. Start der Entwicklung von eigenen, unternehmensinternen IT-Anwendungen auf der Basis moderner Kommunikationstechnologien, allen voran die Speditionssoftware DOMINO.
- Umsatz 401,955 Mio. DM mit 2.364 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen.
- 1981: DACHSER wird exklusives deutsches Mitglied der World Air Cargo Organisation (WACO).
- 1982: Das Familienunternehmen führt das Geschäftsfeld DACHSER Food Logistics (zunächst als „Frisch-Dienst“ firmierend) und damit eine neue Produktlinie ein. Darüber hinaus Ausweitung des speditionellen Produktportfolios mit Express, Super Express, Garantie und Fixtermin.